Freitag, 4. März 2016

Ein Leben mit Giardien

Es ist immer einfach für Außenstehende und nicht Betroffene zu lächeln und zu sagen, 'na ja, aber nu isser doch gesund'... So einfach ist es mit manchen Dingen nicht.

Micky ist nun 1 Jahr und 4 Monate alt und lebt seit 12 Monaten bei uns. Wir haben ihn bekommen und es war schnell klar das irgendwas nicht stimmte. Er machte immer wieder dünn, dann wieder recht normal, aber nie so das man hätte sagen können, ja, es ist alles in Ordnung.



Mein letzter Hund ist auch schon 8 Jahre her und man muss echt sagen, da ist man mehr als aus der Übung. Natürlich ganz am Anfang dachten wir,
na ja, das ist die Umstellung auf ein neues Zuhause, die ganzen Eindrücke und und und...das schlägt ja schon mal auf den Darm aber es wurde nicht besser und irgendwann beschlich mich dann der Verdacht: Giardien! 
Also los, so oder so musste etwas passieren. Ab zum Tierarzt, die Wahrscheinlichkeit ist recht hoch das ich Recht habe, aber um sicher zu gehen muss ein Test her. Das bedeutet, dass man drei Tage lang mit einem Röhrchen bewaffnet immer schön Proben vom Kot seines Hundes einsammelt, also immer schön drauf achten, dass der Hund sich möglichst an Stellen setzt an die man dran kommt.
Nach drei Tagen die Probe dann schnell zum Arzt gebracht, nun hieß es warten... Natürlich, wie es so ist, immer wenn man wirklich dringend auf etwas wartet dauert es einen Tag länger als besprochen... Ergebnis nach einer gefühlten Ewigkeit - Positiv. Micky hat also Giardien. 



Kurz sacken lassen, den Hund eingepackt und ab zum Arzt. Wir bekamen Antibiotika für 5 Tage und den gut gemeinten Rat sich einen Dampfreiniger zuzulegen, die Wohnung täglich zu dampfen und den Laminat (sollte man nicht dampfen) mit einer ziemlichen Chemiekeule täglich wischen. Näpfe stets abkochen, Wassernapf nach JEDEM trinken abkochen, Spielzeug abkochen, dampfen oder mit dieser Chemie waschen. Die eigene Kleidung sollte mit dieser Chemie gewaschen werden und und und. Beim Futter am besten auf Kohlenhydrate verzichten, so kann man die Giardien aushungern lassen und direkt ein darmaufbauendes Mittel geben. KEIN Hundekontakt! Hoch ansteckend!

Puh, Einatmen - Ausatmen... das ist viel...

Natürlich hält man sich daran... man kann ja auch alles genau so im Internet nachlesen und es klingt alles schlüssig aber ich muss ehrlich sagen, man kommt definitiv an seine Grenzen. Man möchte den noch kleinen Hund einfach nur lieb haben, erziehen und Spaß haben. Stattdessen, alles schnell schnell, weil man neben dem Job täglich seine gesamte Wohnung putzen muss!

Nach der Antibiotikagabe mussten wir ein paar Tage warten um eine neue Probe zu sammeln, dazu kam es aber gar nicht, Micky fing plötzlich an zu erbrechen, also wieder zum Arzt. In die Klinik mitten in der Nacht. Die haben wie es in der Notfallsprechstunde üblich ist im Grunde nur schnell was gegen das Erbrechen gegeben und uns für den nächsten Tag wieder zum Arzt geschickt.
Anderes Antibiotika, diesmal fünf Tage geben, fünf Tage Pause und weitere fünf Tage Antibiotika. Und natürlich die gleiche Prozedur wie oben beschrieben. Micky tat mir einfach nur noch leid. Wir hatten nicht wirklich Zeit für ihn weil wir ständig putzen mussten, ihm ging es nicht so gut und er durfte auch draußen keinen Kontakt zu Hunden haben, obwohl das soooo wichtig gewesen wäre.

Nach dieser 'Therapie' schien erst mal alles gut zu sein. Wir machten im entsprechenden zeitlichen Rahmen einen neuen Test und siehe da - Negativ -  ich hätte ausflippen können vor Freunde, ich hätte wirklich gern die Welt umarmt! Nun kann es losgehen, das schöne Leben mit Hund! Hundeschule, Hundekumpel, alles.



Die Termine waren gemacht, aber was war das? Micky machte immer häufiger wieder dünn, erbrach sich... ab zum Arzt!

Alles wieder von vorne, Kotproben gesammelt, warten, warten, warten... - Positiv - ich hätte heulen können! Also nun doch wieder putzen, putzen, putzen, keine Hundeschule, keine Hundefreunde, das war eine Zeit in der ich oft geweint habe. Mir war das alles zu viel, aber auch weil es für Micky einfach keine schöne Zeit war! Das war in meinen Augen kein gutes Leben für ein Hundekind und es bekam den Anschein dass es nie aufhören wollte...
Wieder ein Antibiotikum.. wieder 5-5-5... und am Ende war nichts besser... aber für mich stand fest, es kann nicht die Lösung sein diesem jungen Hund dermaßen viel Chemie in seinen kleinen Körper zu pumpen, dass er entweder durch die Giardien oder eben die Chemie stirbt... da musste es noch eine andere Lösung geben. Durch Zufall ergab es sich das ich in dieser Zeit jemanden kennen lernte der mir eine Naturheilpraktikerin empfohlen hat.

Also fix einen Termin gemacht, schlimmer konnte es ja nicht mehr kommen. Bereits zwei Tage später konnten wir kommen. Wir haben knapp drei Stunden bei ihr verbracht und haben einen ganz anderen Weg aufgezeigt bekommen. Wir haben aufgehört die Giardien zu bekämpfen, das macht laut ihrer Aussage sowieso keinen Sinn, da es zu viele Möglichkeiten gibt das Micky sich wieder und wieder ansteckt. Wir haben es ihnen statt dessen ungemütlich gemacht. Den Darm aufgebaut und saniert. Auf dem Weg ist leider aufgefallen das wir schon einiges mit der Schulmedizin und den horrenden Mengen an Antibiotika kaputt gemacht haben. Die Chemie hat deutliche Spuren hinterlassen. Die Darmflora ist degenerativ zerstört an einigen Stellen und es haben sich jede Menge Unverträglichkeiten und Intoleranzen gebildet. Also abwarten und mit deutlich gesünderer und schonenderer Medizin weitermachen...

Mit auf den Weg hat sie uns gegeben, dass wir mit dem Putzwahn aufhören sollen. Wir sollen einfach ein ganz normales Leben führen! Putzen ja, aber nicht übermäßig! Näpfe auskochen ja, aber ein bis zwei Mal am Tag reicht. Und auf keinen Fall diese Chemie weiter nutzen (zumal diese Lösung auf dem Laminat meiner Eltern auch Spuren hinterlassen hat). Nur Hundekontakt, den sollen wir meiden und natürlich seine Hinterlassenschaften wegräumen, dass machen wir ja sowieso.

Wieder eine Zeit der Hoffnung, der Spannung, neue Wege. Mit Naturheilkunde habe ich mich noch nie zuvor beschäftigt. Es war klar das dieser Weg länger dauern aber dafür nachhaltiger sein würde. Trotzdem habe ich unsere Naturheilpraktikerin immer und immer wieder genervt bis wir endlich einen Test gemacht haben - Negativ - und seit dem ist alles gut :-D
Na ja, jedefalls hat er keine Giardien mehr. Wir sind aber noch immer mit dem Darmaufbau beschäftigt. Lange Zeit hat Micky eine Diät bekommen mit viel viel gepoppter Hirse oder Kartoffeln aber er mochte es überhaupt nicht hat mehr schlecht als recht gefressen. Ich habe immer wieder nach Alternativen gesucht und bin dann auf Hirtengold gestoßen. Diese kleine Firma hat ganz wunderbare Produkte, das Nassfutter kann Micky wegen der Fruktoseintoleranz leider nicht fressen, das war bis vor kurzem so. Die liebe Sarah hat einiges noch mal neu gemacht und umgestellt und nun kann Micky auch das Nassfutter bekommen und er liebt es!!! Und vor allem ist der Output vom ersten Mal an super! Auch die Zusätze sind ganz wunderbar. Seit er 'kurierende Magen-Darm-Kraft' bekommt, hat er keine Probleme mehr gehabt. Das scheint dem Darm richtig gut zu tun. Auch die anderen Produkte die ich bisher von dieser Firma ausprobiert habe sind wirklich wirklich zu empfehlen. (vielen lieben Dank Sarah an dieser Stelle für deine Hirtengold-Produkte - nein, sie weiß nichts von diesem Artikel, außer dass ich sie verlinken werde ;-) )

Also Leute, ich kann wirklich nur dazu raten, wenn ihr ein Giardienproblem mit eurem Kleinen habt geht den Weg über eine kompetente Naturheilpraktikerin. Pumpt eure Hunde nicht unnötig mit Antibiotika voll - das macht mehr kaputt als das es hilft. Ich selbst habe die Erfahrung gemacht. Ich gehe heute auch nicht mit allem zur Naturheilpraktikerin und ich bin nicht der typische 'Öko' geworden, aber ich denke in manchen Fällen, vor allem den Langwierigen, macht es Sinn wenn jemand der weiß was er tut sich mal in der Natur umsieht und hilft als Wochen, Monate oder gar Jahre ein Lebewesen mit Chemie voll zu pumpen.

Wie seht ihr das? Geht ihr zum Schulmediziner oder seid ihr schon in der alternativen Medizin unterwegs?

Kommentare:

  1. Zunächst einmal: armer kleiner Micky! Das war ja echt ein beschissener Start in die doch schönste Zeit des Lebens.

    Im Sommer hatte ich mit Shiva ein ähnliches Drama. Giardien waren es nicht, aber doch ein extremes Magen-Darm-Problem. Ich bin gleich den Weg über die Naturheilkunde gegangen, weil in Shivas Physiopraxis auch eine THP arbeitet. Zusätzlich gab es die Magen-Darm Kur von Hirtengold und bis auf 2x Analdrüsen ausdrücken lassen sind wir gänzlich ohne Tierarzt ausgekommen.
    Ich kann es also nur empfehlen!

    Flauschige Grüße
    Sandra und Shiva

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    1. Die arme Shiva Maus, man das ist immer fies wenn es den Kleinen nicht gut geht...Ja ich glaube grade bei Magen / Darm Geschichten ist man mit einer THP wirklich gut beraten. Und Hirtengold, ja, egal welches Produkt ich bisher veruscht habe, alle haben mich überzeugt! Magen-Darm Kur ganz weit vorne :-)

      Ganz liebe Grüße auch an die kleine Shiva Maus
      Alex & Micky

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  2. Das Problem hatten wir mal mit unseren Katzen. Ich war auch erstmal komplett hysterisch und habe manisch geputzt und getan. Was du eben auch so beschrieben hast. Und Katzen springen ja auch noch überall drauf. Das war echt krass.
    Unsere Tierärztin war aber super. Da die Katzen sich auch nicht ohne Weiteres die Tabletten von mir geben ließen und die Nerven nach ein paar Wochen blank lagen, nahm sie die Katzen eine Woche in ihre Obhut und danach war der Spuk vorbei. Ist nicht mehr aufgetreten. Ich weiß garnicht mehr was sie gegeben hat. Ein Antibiotikum war es aber wohl nicht. Aber wenn nochmal was auftaucht...Naturheilkunde finde ich eine gute Alternative.

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    1. Oh man, Katzen ist natürlich in dem Moment noch eine Nummer härter, hab ich nie drüber nach gedacht, aber klar ich hab wenigstens nur die Flächen am Boden gehabt. Katzen können ja überall hin. Das ist wirklich toll von dener Tierärztin das sie sie genommen hat, ja man ist einfach mit den Nerven runter...und oft versteht es das Umfeld ja gar nicht wirklich,...
      Ganz liebe Grüße, ich drücke die Daumen, dass ihr die Probleme nie wieder bekommt...
      Alex

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  3. Ach, dass ist ja eine schlimme Geschichte. Socke hatte im letzten Jahr das erste Mal Giardien, die zum Glück nach der ersten Therapie verschwunden sind. Als sie vor ein paar Wochen wieder Schleim im Stuhl entdeckt hatte, wurde der Stuhl wieder untersucht. Zum Glück gab es Entwarnung...

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

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    1. Da habt ihr aber Glück gehabt, wunderbar :-) Der Schleim, hat mir unsere THP erklärt hat erstmal 'nur' zu bedeuten, dass die Darmschleimhaut sich löst, der Darm also gereizt ist...das kann aber wirklich tausend Ursachen haben...
      Weiterhin alles Gute für die kleine Socke und liebe Grüße
      Alex

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  4. Liebe Alex,
    das ist ja ne wahnsinns Odyssee, die ihr da hinter Euch gebracht habt!!
    Magen-Darm ist immer ne ätzende Geschichte, im wahrsten Sinne des Wortes. Habe da mit Settern auch teils schwerwiegende Erfahrungen. Bei uns hatte sich ein Mittelweg gut erwiesen - Naturverfahren gekoppelt mit Schulmedizin. Aber dass es bei Euch rein pflanzlich so gut gelaufen ist, ist "natürlich" top! In komplizierten Fällen kann ein Naturheilpraktiker manches "sehen" was der Blick der Schulmedizin verborgen bleibt.
    Alles Gute weiterhin
    LG Danni

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    1. Vielen lieben Dank :-) Ich wünsche euch auch alles Gute, dass alle gesund bleien.

      Ganz liebe Grüße
      Alex

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  5. Hi, ja das wirklich ein harte Zeit und ein fieser Start. Aber ihr seid um die Erfahrung reicher geworden, das Schulmedizin nicht alles ist. Ich würde in so einem Fall auch eine Naturheilpraktikerin aufsuchen.
    Wir haben sowas ähnliches nur mit dem Thema Bewegungsapparat erlebt. Aaron's Kreuzbein und 2 Halswirbel waren nicht mehr da, wo sie hingehörten. Alles wurde sanft und schmerzfrei (ohne Knacken) in die richtige Bahn gebracht und schon konnte der Kerl wieder toben. SMT= sanfte manuelle Therapie
    viele Grüße
    Sandra und Aaron

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    1. Hallöchen,
      ja manchmal ist es wirklich besser was die alternative Medizin zu bieten hat. Aber man muss wirklich sagen, dass man ein gewisses Fingerspitzengefühl und / oder einen wirklich fairen alternativen Mediziener braucht um zu erkennen womit man wo hin geht...

      Euch auch weiterhin alles Gute,
      Liebe Grüße Alex & Micky

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  6. Liebe Alex,
    wir können hier auch ein Lied von singen und haben ähnliche Erfahrungen gemacht, wie ihr. Nur das wir sogar mit einem 3 Tagesaufenthalt in der Uniklinik geendet sind, weil es Emmi so schlimm erwischt hatte und durch Giardien und Unverträglichkeiten der Darm so geschwächt war. Unsere Empfehlung haben wir hier geschrieben: http://serendipity-le.blogspot.de/2015/11/was-tun-bei-giardien-beim-hund.html

    Welchen Artikel ich aber sehr empfehlenswert finde, gerade weil auch eine übertriebene Panik um Giardien gemacht wird, ist dieser Artikel: http://www.tierarzt-rueckert.de/blog/details.php?Kunde=1489&Modul=3&ID=19372

    Natürlich sind die Biester schlimm und lästig, aber ich kann Herrn Rückert nur zustimmen, diesen sind Hunde wohl immer ausgesetzt und wie auch Du feststellen musstest, müssen manche Hunde mit Bedacht gefüttert und der Darm aufgebaut werden. Das ist das A und O. Hätten wir durch unsere Tierheilpraktikerin die viele Unverträglichkeiten nicht herausgefunden, würde das Thema Giardien sicher immer noch eine so große Rolle spielen. Wir hatten ein Jahr Ruhe und dann einen ganz unkomplizierten kurzen Rückfall, der mit einer Gabe Panacur erledigt war.
    Bist Du eigentlich sicher, dass es Antibiotika war, welches ihr bekommen habt und nicht Panacur? Das aht nämlich auch diesen Einnahmerhythmus?!

    Sei lieb gegrüßt
    Katja

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    1. Vielen Dank für die Artikel. Ja Herr Rückert, ich bin ja ein großer Freund von ihm... Leider vergessen wir es heute sehr schnell das sogar die meisten Krankheiten mit dem Darm zusammen hängen...

      Ja leider, Panacur hat nichts gebracht und dann ist unser damaliger TA auf Antibiotika gegangen.
      Ich drück euch ganz ganz fest die Daumen, dass ihr nun endgültig Ruhe habt, wobei natürlich die Hunde können sich so schnell überall anstecken...

      Vielen Dank und liebe Grüße
      Alex

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