Mittwoch, 30. März 2016

Hunde auslasten...echt?

Immer wieder nerve ich den Lieblingsmann mit den Fragen:

Meinst du Micky fühlt sich wohl bei uns?
Meinst du Micky mag uns?
Meinst du wir 'bieten' Micky genug?
Meinst du nicht wir 'müssten' noch irgendwas für seine Auslastung tun? Und und und...




Manchmal denke ich auch ich habe einen Dachschaden! Eigentlich schert es mich nicht was Andere machen, so lange sie niemandem damit wehtun. Ich bin kein Mitläufer oder jemand der immer alles tut nur weil Andere es für richtig halten.

Aber dann gibt es wieder diese Momente, man hört immer nur Agility hier, Mantrailing da, Trickdogging, Dogdance und was man noch so alles machen kann. Noch etwas Unterordnung beim Morgenspaziergang, dann natürlich der Abendspaziergang an einem ganz anderen Ort, irgendwo in der Natur um noch mal über das Playdate am Mittag nachzudenken...

Hmpf....Ja, ich oute mich, jetzt hier, ganz offiziell und ehrlich! Wir (der Lieblingsmann und ich) sind laaaaaaaangweilig!


All das machen wir nicht! Das meiste davon haben wir noch nie gemacht!


Es ist nicht so, dass ich keinen Spaß an einigen Dinge davon hätte, ich wollte bevor Micky kam auf jeden Fall Agility machen und dann mal sehen was sich so ergibt. Aber dafür fehlt es einfach am 'Grundgehorsam' und ich habe bisher leider noch keinen Platz gefunden auf dem wir einfach just for fun durch die Tunnel und über die Wippen rennen dürfen und es eben nicht schlimm ist wenn Micky mal 'ausbricht'... Na ja, egal. In der 'Unterordnung' ist er aber super, wenn er will :-) Wir schaffen es leider auch nicht andauernd neue spannende Orte aufzusuchen... Wir bemühen uns am Wochenende Ausflüge zu machen, meist klappt es auch, aber ja oftmals kommt einfach das Leben dazwischen...

Und da stelle ich mir immer wieder die Frage, wie schlimm ist das für unsere Hunde wirklich? Brauchen sie wirklich einen bald volleren Stundenplan als ich für mich für gesund erachte? Ist es dem Hund wirklich wichtig immer, am besten auf jeder Gassirunde neue Wege kennen zu lernen oder ist das für uns Menschen vielleicht wichtiger? Langweilen sich unsere Hunde oder wir?

Brauchen unsere Hunde wirklich all diese Beschäftigungen und Aufgaben von denen wir immer und immer wieder sprechen? Ich bin mir gar nicht soooo sicher, sicherlich gibt es bestimmt repräsentative Studien genau darüber, aber ganz ehrlich? Beobachtet eure Hunde doch mal...





Micky zum Beispiel, er hat einen für ihn sehr stressigen Morgen unter der Woche, warum? Na immerhin muss er gegen 6 Uhr Gassi gehen. Er ist so 'erschöpft' davon, dass er gut und gerne, wenn wir gegen 7 Uhr das Haus verlassen bis wenigstens halb 11 tief und fest schläft und auch dann lieber nicht abgeholt werden würde...von Mittags bis um 16 Uhr 'lebt' er dann bei meinen Eltern. Da geht er Gassi, spielt, tobt im Garten oder 'hilft' bei der Gartenarbeit. Ich komme dann gegen 16 Uhr nach Hause und gehe eine große Runde mit Micky spazieren, mal mit Playdate, mal mit wirklich konzentriertem Üben. Die Runden sind zu 90% hier in seinem Einzuggebiet, ich versuche sie so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten aber nein ich denke es gelingt mir nicht immer. Es gibt Abende da muss der Kleine mit in die Stadt, in den Baumarkt oder sonst wo hin. Die Wohnung muss geputzt werden, Freunde müssen und möchten mal besucht werden oder kommen zu Besuch. Im Sommer wird bis spät im Garten gesessen. Nur wir, mit Besuch, mit Grill, ohne Grill, nur sitzen, im Garten arbeiten und und und... Natürlich, immer wieder gibt es ein Spiel mit Micky und definitiv ist er immer dabei! Würde er gerne zum Agility? Ich glaube er hätte wirklich wirklich viel Spaß dabei, aber brauchen tut er es wohl nicht. Ist unser Alltag nicht schon aufregend genug? Ich glaube schon! Ich finde es nicht schlimm, wenn man ein Hobby mit dem Hund ausübt, überhaupt nicht, ganz im Gegenteil, ich möchte auch dringend mit dem Joggen mit Hund anfangen (ganz ganz bald....argh) aber muss es jeden Tag sein? Immer etwas anderes? 




Wir tricksen immer mal wieder, Micky kann in meinen Augen ganz schön viel und ganz schön gut, aber wenn ich mir so manchen Hund ansehen,...wow! Dagegen sind wir eine Nullnummer, aber was solls, ich mach es aus Spaß und Micky wahrscheinlich in erster Linie wegen den Leckerlies :-) Ich bin allerdings auch wirklich zu blöd für manche Dinge... wie kann ich meinem Hund denn zum Beispiel beibringen sauber ÜBER etwas drüber zu springen OHNE immer die Beine auf dem Hindernis abzusetzen? Aber ich schweife ab... Das sind alles Dinge die Micky nie sauber lernen wird, weil ICH zu blöd bin! :-)

Ich habe tatsächlich festgestellt, ich kann ja ganz gut verbissen sein, was oftmals die Dinge dadurch nicht besser macht. Auf jedem Spaziergang wird geübt, jede Gelegenheit jede Situation mitgenommen. Ich ärgere mich über mich selbst wenn ich eine Situation zu spät erkenne... und dann gab es nun wieder dank Magen/Darm eine Woche 'Zwangspause' vom üben. Leckerchen gingen nicht und spielen oder so was wollte Micky nicht und ohne Belohnung läuft sowieso nichts :-) Außerdem war er einfach krank! Wenn ich krank bin und es mir nicht gut geht lerne ich auch null! Und ich habe wirklich gemerkt, dass diese Woche Pause uns beiden sehr gut getan hat. Micky ist ganz heiß darauf Dinge zu lernen und zu zeigen und ich konnte mich mal kurz sozusagen resetten... Auf null, auf das wesentliche konzentrieren und siehe da.... Bähm! Micky offline unterwegs :-D Soooo super hat er gehört...

Ich glaube es ist am wichtigsten sich mal seinen Hund und sein Leben anzusehen und noch mal genau darauf zu achten was der Hund den Tag über eigentlich wirklich so erlebt und wenn man dann der Meinung ist ok, ich bin soooo langweilig das es meinem Hund und mir einfach gut tut raus unter Leute zu gehen, dann macht es, aber bitte nicht zu verbissen... Micky findet es auch spannend mal was mit der Nase zu machen, aber er liebt es auch einen ganzen Tag auf der Couch zu verbringen...



Und die Gassirunden? Ja, da bin ich mir wirklich unsicher, ich meine auf der einen Seite sind ja auf jeder Runde neue Gerüche da auf der anderen Seite ganz klar mir wäre es zu langweilig immer und immer den gleichen Weg zu gehen, aber unserem Hund auch? Spricht man nicht sonst immer davon dass ein Hund Routine braucht? Wäre nicht genau das Routine? Ich denke auch da macht es die gesunde Mischung...wie diese aussieht muss allerdings wohl jeder für sich und seinen Hund selbst rausfinden....

Wie macht ihr das? Action pur jeden Tag oder doch lieber mal den Hund Hund sein lassen?

Kommentare:

  1. Was für ein herrlicher Artikel! Er spricht mir wirklich aus dem Herzen! Ich glaube, nur man selber erkennt, welche Auslastung für seinen Hund die beste ist. Wobei ich länger dafür gebraucht habe, kein schlechtes Gewissen zu haben, dass ein Hundesportverein im Moment für uns noch nicht geeignet ist.
    Dafür könnte ich 10x am Tag den gleichen Weg gehen, und mein Hund wäre so erschlagen von den für uns ja meist gar nicht zu merkenden Eindrücken, dass ihm das vollkommen reicht.
    Viele Grüße
    Lina

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    1. Ja genau das kenne ich, ich wollte soooo gerne sooo viel mit Micky machen und ich dachte es wäre soooo wichtig für ihn. Nee ist es nicht, aber sich das selbst ein zu gestehen und auch dazu zu stehen, das ist glaube ich das Schwierigste, zumal doch alle andere etwas anderes vorleben ;-)
      Schön das ihr euren Weg gefunden habt. Weiter so :-)

      Liebe Grüße, Alex und Micky

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  2. Ich hab gerade einen Block eröffnet und mich direkt mit dem Thema befasst. Ich sehe das ähnlich wie du. Bei uns war es sogar notwendig mehr Ruhe in den Alltag zu bringen und nicht ständig was an Programm zu machen. Ich hatte neulich ein Gespräch mit einer Trainerin, die sagte, dass es da gesellschaftliche Trends gibt. Früher war der Hund zum Arbeiten da, dann sollte er Familienhund werden und man versuchte möglichst viel Auslastung zu bieten. Mittlerweile will man wieder mehr Ruhe rein bringen, weil die Hunde genauso ein stressiges Leben haben wie wir selber. Da gibts Leutendie sprechen von ADHS oder Authismus beim Hund "grübel"
    Ich denke, jeder muss schauen,was zu einem passt.

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    1. Ja, tatsächlich kann ich auch nur sagen, dass mein früherer Hund aus Kindheitstagen wahrscheinlich auch Spaß an vielem gehabt hätte was heute angeboten wird. Aber er war 'nur' Familienhund und ich glaube er hatte damit genug zu tun ;-) Ja ADHS, Burnout all diese Dinge, soweit dürfen WIR es doch wohl nicht kommen lassen oder? Ganz genau, jeder muss es für sich und seinen Hund selbst rausfinden :-)

      Ganz liebe Grüße
      Alex & Micky, ich schau jetzt mal schnell bei den Punktejungs vorbei ;-)

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  3. Hui! Du machst doch aber ganz schön viel mit Micky!
    Er ist auf jeden Fall bestens versorgt mit Spaziergängen, Eindrücken und Beschäftigung!
    Bei meinen beiden sieht es auch nicht anders aus! Ich versuche unter der Woche zwar jeden Tag eine andere Runde zu gehen aber alles startet so gut wie in unserer Strasse. Gearbeitet wird beim Spaziergang eher selten! Mit Stimpy geht es zum Ausgleich 1x in der Woche zum Dogdance und am WE gucke ich immer dass wir eine schöne große Runde woanders gehe. Und dann auch meistens mit anderen Hunden. Aber wenn ich im Garten arbeite dann daddeln die beiden da auch mit rum! Und wenn ich auf dem Sofa liege dann werde ich rechts und links eingequetscht ;)
    Wenn ich den Tagesablauf einiger Hunde sehe dann denke ich mir auch oft dass die bald ein burn-out bekommen! Die haben einen volleren Stundeplan als manche Erwachsenen mit einem Vollzeitjob!
    Ich lasse meine Hunde im Garten und bei den Spaziergängen auch einfach mal Hund sein und sie dürfen buddeln, sich im Bach suhlen oder auch mal ne fiese Krähe jagen!
    Ich denke dass wir eine "gesunde" Mischung gefunden haben, wobei ich mir auch manchmal denke ich werde den beiden nicht gerecht! Aber solche Gedanken müssen wir ganz fix aus unseren Köpfen verbannen!!!!!!

    Viele liebe Grüße
    Steffi mit Ren & Stimpy

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    1. Hey, boah, euer Tag hört sich wirklich ähnlich an :-) Immer wieder schön zu lesen, dass ich nicht allein bin dem Langweiler Dasein :-D Wobei ich tatsächlich immer dachte, dass grade ihr schon mehr macht. Dogdance finde ich auch spannend, aber ich glaube ich bin zu blöd dafür! :-D
      Ja du hast recht, wir dürfen diese Gedanken nicht zulassen :-D Danke für deine lieben Worte,

      ganz liebe Grüße Alex & Micky

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    2. neeeeee! Wir sind stinklangweilig! ;)
      Ab und zu machen wir noch ein bissl Mantrailing aber da schläft das Training gerade ein wenig! Und da Stimpy ja nicht frei laufen kann, komme ich ihr mit dem Dogdance sehr entegegen! Wir üben aber so Grundtricks! Richtig tanzen kann man das auch nicht nennen! Aber das kleine quirlige Cockerhirn wird so wenigstens mal ausgelastet ;)

      Ich denke, unsere Kröten haben es schon recht gut bei uns! :)

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  4. Tja, das ist halt so eine Sache mit der Auslastung wie mit der Erziehung allgemein und wieder sehe ich in er Entwicklung parallelen zu Kindern mit ihren Eltern. Denn heut zu Tage werden die Kinder von ihren Eltern ja auch schon frühst verplant...vom Sport zum Musik, zum Ballet etc. Da fragt man sich wohl soll das Kind noch Zeit haben Kind zu sein? Kreativität ensteht zum Beispiel eher in so ruhigen "langweiligen" Phasen. Was nimmt man also einem Kind wenn man alles durch organisiert?
    Genauso denke ich machen es viele nun auch beim Hund falsch. Klar ist eine Auslastung was tolles. Aber man sollte sich doch individuell mal anschauen, was hat man da für einen Hund. Klar, ist ein Labrador meistens ein Arbeitstier, aber nicht jeder ist so. Der ältere Labbi von meinem Bruder ist eine absolute Couchpotatoe, der will nicht arbeiten. Dagegen der zweite von ihm, braucht sowas, denn sonst macht er Unfug. Aber genauso braucht er völlig entspannte freie Stunden wo er nur Hund sein kann.
    Aaron und ich hatten das Glück, dass wir eine tolle Hundeschule gefunden hatten, in der wir als Praktikanten lange mitmachten und dadurch in so manche Sache rein schnuppern durften. So kennen wir Mantrailing, Agility, Longieren, Trickdogging und co. Aber da wir nichts auf höchstem Niveau machen wollen, sondern nur zum Spaß, machen wir auch nur gerade das worauf wir Lust haben. Ich denke man muss wirklich schauen was zu sich und einem Hund passt. Wie ist der Charakter des Hundes, wie stark ist die Ausprägung der Rassespezifischen Merkmale etc.
    Aber egal wie viel Auslastung der Hund braucht, er braucht mindestens genauso so viel Freiheit einfach Hund zu sein :-)

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    1. Ja, du hast genau recht, es gibt sooo viele Kinder heute bei denen ich denke, wow, das Pensum würde ich nie schaffen... ich finde das wirklich traurig! BTW tatsächlich kann man viele 'Hunde-Dinge' mit Kindern vergleichen wie ich finde, man wird nur immer schnell doof angesehen wenn man eben 'nur' einen Hund hat :-D

      Die Hunde von deinem Bruder sind da tolle Beispiele wie individuell man das betrachten muss. Wow das ist ja toll das ihr sooo viele Erfahrungen machen konntet. Ich wünschte ich wäre auch mal in eine solche 'Zusammenarbeit' gerutscht :-)

      Ganz viel Spaß noch bei euren Hobbies und macht es nie zu verbissen ;-)

      Liebe Grüße Alex & Micky

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Lieb sein!